Meister Hora schwieg eine Weile, ehe er antwortete: "Wenn die Menschen wüssten, was der Tod ist, dann hätten sie keine Angst mehr vor ihm. Und wenn sie keine Angst mehr vor ihm hätten, dann könnten ihnen auch niemand mehr die Lebenzeit stehlen." "Aber dann braucht man es ihnen doch nur zu sagen?", schlug Momo vor. "Meinst du?", fragte Meister Hora. "Ich sage es ihnen mit jeder Stunde, die ich ihnen zuteile. Aber ich fürchte, sie wollen es gar nicht hören. Sie wolen lieber denen glauben, die ihnen Angst machen. Das ist auch ein Rästel."
Nun, Frage Nummer Eins, die sich mir sofort stellt: Was ist denn der Tod? Gute Frage, denn anscheinend wird sie so hundertprozentig auch nicht von Meister Hora beantwortet. Also er sagt, dass wenn unser Herz einmal aufhört zu schlagen, dass dann für uns auch die Zeit aufhört. Aber, wenn Menschen die Zeit sowieso schon nicht mehr mit dem Herzen wahrnehmen, weil ihr Herz taub dafür geworden ist, sind diese Menschen dann schon lebendig tod? Auf Momos Frage, was passiert, wenn ihr Herz einmal aufhört zu schlagen, antwortet Meister Hora so:
"Dann hört auch die Zeit für dich auf, mein Kind. Man könnte auch sagen, du selbst bist es, die durch die Zeit zurückgeht, durch alle deine Tage und Nächte, Monate und Jahre. Du wanderst durch dein Leben zurück, bis zu dem großen Silbertor kommst, durch das du einst hereinkamst. Dort gehts du wieder hinaus".
Hmm, ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich versteh das nicht so richtig, was das mit dem Tod zu tun. Das heißt, ich verstehe die Botschaft, die mir sagt, genieße oder lebe deine Zeit, solange du sie leben kannst, denn nach dem Tod gibt es keine, da man ja durch die Geburt durch das Silbertor in die Welt hinein kommt und mit dem Tod wieder durch das Silbertor hinaus aus der Welt, aus dem Kontinuum, wo man Zeit erleben kann, wieder hinausgeht. Aber wenn man irgendwo wieder hinausgeht. Aber wo geht man hin?
Es geht noch weiter bei der Unterhaltung zwischen Meister Hora und Momo. Auch Momo fragt Meister Hora etwas.
"Und was ist auf der anderen Seite?" (Auf der anderen Seite des runden Silbertores, nehme ich an). "Dann bist du dort, wo die Musik herkommt, di du manchmal schon ganz leise gehört hast. Aber dann gehörtst du dazu, du bist selbst ein Ton darin."
An dieser Stelle muss man hinzufügen, dass Momo kurz vorher versucht hat die Frage zu beanworten, was die Zeit ist.

"Sie ist da [die Zeit]," murmelte sie gedankenverloren, "das ist jedenfalls sicher. Aber anfassenkann man sie nicht. Und festhalten auch nicht. Vielleicht ist sie so was wie ein Duft? Aber sie ist auch etwas, das imerzu vorbeigeht. Also muss sie auch irgendwo herkommen. Vielleicht ist sie so was wie der Wind? Oder nein! Jetzt weiß ich's! Vielleicht ist sie eine Art Musik, die man bloß nicht hört, weil sie immer da ist."
Also wir fassen zusammen. Es gibt ein Silbertor durch das man in das Leben ein und austreten kann. Und es gibt eine andere Seite, wo die Musik herkommt bzw. die Zeit. Die Zeit, die uns immer umgibt. Dieses Kontinuum von Dingen, die irgendwann schon mal passiert sind und immer noch in der Luft liegen, weil die Zeit als großer Raum immer noch da ist. Und weil so viele Dinge passieren und sie so schwer zu beschreiben sind, verwandeln sie sich in eine Art Musik. Eine Art Musik, die uns jeden Tag umgibt, ohne das wir es merken? Eine Art Musik, die uns vielleicht selbst beeinflusst? Musik, kann beeinflussen. Eine Art Musik, die uns von jemand vielleicht zugesendet wird, der Tod ist, sich für die andere Seite entschieden hat und jetzt hilflos dort umher schwirrt...und dann sucht es sich jemand, den er seine Musik, seine Zeit mit schenken will. Er will ihm helfen durch die Musik, vielleicht will er auch jemanden ärgern....hmm wer weiß das schon. Wir wissen es nicht, aber Meister Hora weiß, dass man vor dem Tod keine Angst haben soll, denn dann kann einem niemand mehr seine Zeit stehlen!
Nun, die Frage mit dem Tod, und das man keine Angst vor ihm haben muss oder was nach dem Tod passiert, ist ja keine neue Frage. In alle Religionen kann man schauen und jede Religion gibt den Menschen eine Antwort. Anscheinend ist das eine sehr wichtige Frage und die Menschen brauchen eine Antwort, ansonsten haben sie - ich denke Angst vor dem Nichts! Auch ich glaube an das, was mir am richtigsten erscheind. Aber Kern der Sache für das JETZT, da HEUTE und HIER scheint mir gerade ein anderer zu sein. Es ist weder das wichtigste darüber nachzudenken, was war. Das ist vergangen. Noch ist es das Wichtigste sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was sein wird. Es ist wichtig, das hier und jetzt zu erleben, seine Zeit im Herzen wahrzunehmen. Denn nur so, kann etwas für die Zunkunft entstehen. Und wer Angst vor dem Tod hat, der hat Angst vor dem was in der Zukunft liegt, das kann den Menschen daran hindern, seine Zeit der Gegenwart wahrzunehmen.
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